Kurzgeschichte «Verbotene Liebe»
8 декабря 2025 г., 02:46
„Nein, ich darf diese Gefühle nicht wieder zulassen…“, dachte sie und starrte auf die beschriebenen Tafeln im Abendklassenrsraum. „Sie ist so wunderschön, so gutherzig. Diese Wärme, die sie ausstrahlt – niemand hier hat sie. Aber… warum sollte ich glauben, dass sie anders ist als all die anderen, die mich nur benutzt haben?“
Ihre Gedanken glitten zurück in die Vergangenheit – zu den Tagen im Kinderheim. Damals, vor so vielen Jahren, hatte sie sich zum ersten Mal verliebt. Eine sanfte, ehrliche Liebe, die ihr ganzes Herz erfüllte. Doch kaum hatte sie den Mut gefunden, ihre Gefühle zu zeigen, zerbrach ihre Welt. Sie wurde zur Zielscheibe des Spottes. Die, die sie einst Freunde genannt hatte, wandten sich ab. Ihre Freundlichkeit gefror zu kalter Ablehnung.
Als die Umstände sie zwangen, das Zimmer ihrer Eltern im Flüchtlingslager zu verlassen, blieb ihr nichts. Keine Familie. Kein sicherer Ort, zu dem sie zurückkehren konnte. Nur das Kinderheim – kalt, fremd, laut.
In jener Nacht schwor sie sich, stark zu bleiben. Niemandem mehr zu vertrauen.
Sie wollte beweisen, dass sie kein Schandfleck für ihre Familie ist, sondern dass sie auch in diesem Leben aus eigener Kraft etwas erreichen kann.
Monate später tauchte im Kinderheim sie auf – ein Mädchen, das anders zu sein schien.
Sanft. Fürsorglich. Mit einem Blick, der Wärme ausstrahlte.
Sie schenkte ihr Aufmerksamkeit, die sie so lange vermisst hatte. Sie war die Einzige, die sich wirklich für sie interessierte.
Doch es war nur eine weitere Falle.
Nach ihrer Rückkehr ins Heim – nach der Flucht vor der drohenden Abschiebung – begannen die angebliche „Freunde“, sie in ihre Spiele hineinzuziehen.
Ein Abend, ein paar Witze, eine scheinbar harmlose Einladung. Entspannte Atmosphäre, sie durfte sogar zum ersten Mal Shisha rauchen.
Und dann veränderte sich alles.
Alles wurde neblig. Sie spürte, wie sie die Kontrolle über ihren Körper verlor – und sprach, redete, offenbarte sich. Einer der Jungs legte seine Hand auf ihr Bein.
Dann… Nur Dunkelheit.
Sie zuckte zusammen, als sie daran dachte, wie sie sich nicht wehren konnte. Ihre Schreie blieben in ihrem Inneren. Die Scham und der Schmerz – sie trug sie bis heute in sich.
Sie erzählte damals niemandem davon.
Wer hätte ihr denn geglaubt?
Es waren doch teheranische Kriegsflüchtlinge – alle mit demselben Geburtstag, dem 1. Januar. Ja, die Namen konnte sie kaum merken, doch die Geburtstage schon. Und sie?
Eine ukrainische Außenseiterin. Ein Miststück, wie sie sagten. Sie war die Sprecherin des Heimes, die immer die Wahrheit aussprach – egal, ob sie Betreuer oder Bewohner betraf.
Damit machte sie sich Feinde auf beiden Seiten.
Wenn es unbequem wurde, war sie das Aushängeschild, die Schuldige für alles.
Und so glaubte ihr keiner.
Doch die Jungs hörten nicht auf.
Sie erzählten ihrer Geliebten von ihren Gefühlen – grinsend, spöttisch.
Das führte zu Streit. Und bald wusste jeder im Heim von ihren „kranken“ Gefühlen.
Die Religiösen wandten sich von ihr ab.
Nun war sie die „homosexuelle Schlampe“ – nicht mehr das „ukrainische Miststück“, sondern etwas Neues, noch Verachteteres.
Aber was war eigentlich schlimmer?
Diskriminierung wegen ihrer Herkunft – oder wegen ihrer Liebe? Sie wusste es nicht mehr...
Und die Betreuer?
Sie sahen weg. Dachten nur an ihre Karriere.
Keiner interessierte sich wirklich für das, was geschah. Nur ein paar, die lieber schwiegen, als etwas zu riskieren.
Als sie endlich den Mut fand, zur Polizei zu gehen, zwangen sie die Betreuer, die Anzeige zurückzunehmen.
Denn sie hatten Angst um ihre Jobs – und sie blieb allein.
Später kamen sie tatsächlich zusammen.
Sie glaubte, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben.
Doch bald merkte sie, dass Rina nicht aus Liebe bei ihr war – sondern weil sie ihre Gefühle für eigene Zwecke nutzte.
Rina war berechnend, manchmal grausam. Und doch… so beliebt, so charmant, so schön. Manche würden sagen eine coole Bitch.
Ihr orientalisch-balkanisches Aussehen, die schwarzen Locken, die sanften, dichten Augenbrauen, die tiefbraunen Augen – sie wirkten auf sie wie ein Zauber, hypnotisierend.
Sie wollte so sein wie Rina. So schön, so stark, so sicher in sich selbst.
Sie wollte ihre zweite Hälfte sein, ihre Helferin, die sie stützt, ihre Schattenseite, die sie versteht.
Sie lernte sogar Rinas Sprache, nur um ihr näher zu werden. Sie wollte beschützt werden – und gleichzeitig diejenige sein, die beschützt.
Doch Rina blieb kalt. Sie hatte klare Ziele: Schule, Arbeit, Zukunft. Für sie war Liebe nur ein Nebengeräusch.
Sie wusste tief im Inneren: „Rina nutzt mich aus.“
Aber trotzdem dachte sie: Wenn Rina merkt, dass ich sie trotzdem liebe, dass ich bleibe – vielleicht erkennt sie dann, dass ich anders bin. Vielleicht wird sie mich auch irgendwann schätzen und es sogar möglich wird, dass ich ihre Priorität werde.
Öffentlich durfte sie Rina nie Freundin nennen.
Rina wollte sich nicht outen. Ihre Familie, ihre Freunde, ihre ganze Umgebung – sie hätten es nie verstanden.
Das wusste sie.
Und so hielt sie alles geheim, tat, was Rina wollte, ohne zu fragen.
Für sie war Rina längst mehr als eine Geliebte. Sie war Familie. Orientierung. Schutz. Der Sinn. Auch wenn sie sich manchmal fragte, wohin das alles führen würde. Verlor sie doch nie die Hoffnung und Glaube an Rina.
Die Erinnerung daran, wie sie früher aufgrund ihrer Gefühle ausgelacht und verstoßen wurde, reichte ihr vollkommen als Warnung aus:
Dieses Mal würde sie ihre Liebe beschützen – koste es, was es wolle.
Denn sie glaubte: Wenn sie Rina schützt, schützt sie sich selbst.
Die Stadt erlaubte ihr endlich, eine eigene Wohnung zu mieten – dank der Arbeit, die sie sich mühsam erkämpft hatte.
Nicht mehr die Toilettenreinigung, nicht die nächtlichen „Beschäftigungstherapien“, die das Jugendamt ihr aufgezwungen hatte, sondern eine richtige Vollzeitstelle – in einer anderen Stadt.
Sie arbeitete in Schichten, um bleiben zu dürfen. Um ihren Aufenthalt in diesem Land zu sichern.
Doch die Distanz zu Rina machte sie krank. Nur neun Kilometer trennten sie, und doch fühlte es sich an wie Hunderttausende.
Eines Nachts schrieb sie ihr:
„Ich möchte dir deinen Traum erfüllen. Von meinem Lohn habe ich dir ein Geschenk gekauft. Darf ich gegen Mitternacht kommen – nach meiner Spätschicht – um dir persönlich zum Geburtstag zu gratulieren?“
Zum Glück war Rinas Stimmung gut. Sie antwortete freundlich und lud sie ein.
700 Euro Ersparnisse, ein Laptop auf Raten – das alles war ihr egal.
Rina war glücklich. Und das war alles, was zählte.
Nach dieser kurzen Nacht fuhr sie mit dem Fahrrad zurück nach Hause, bevor am Morgen die Heimleitung kam.
Müde, frierend, aber glücklich.
Für sie war es die beste Nacht ihres Lebens.
Rina zog bei ihr ein. Sie zahlte keinen Cent – und schlug sie, wenn sie ihre Forderungen nicht erfüllte.
Sie fühlte sich betrogen. Ausgelaugt. Leer.
Der Schmerz war so stark, dass sie sich wieder selbst verletzte.
Es endete mit einem weiteren Aufenthalt in der psychiatrischen Klinik.
Dort fand sie zum ersten Mal seit Langem einen Hauch von Trost.
Menschen, die sie nicht verurteilten.
Menschen, die sie wie eine Schwester behandelten, ihr Halt gaben, ohne etwas zu verlangen.
Sie waren wie sie – „anders“.
„Ja, ich bin krank. Ich bin kaputt,“ dachte sie. „Aber hier verlangt niemand etwas von mir. Hier hasst mich keiner. Hier nutzt mich niemand aus.“
Sie erinnerte sich an die Nächte, in denen ihr die Tränen über das Gesicht liefen, während Rina in Clubs verschwand – nach ihrer Schwarzarbeit.
Rina durfte offiziell nicht im Restaurant arbeiten; die damalige Regierung hatte ein Arbeitsverbot für Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten eingeführt.
Also arbeitete sie illegal, nachts, heimlich – und ließ sie allein.
Doch eines Tages kam Rina tatsächlich nach der Arbeit nach Hause – nicht in den Club, nicht zu den Freunden.
Sie legte sich neben sie und schlief ein.
In diesem Moment spürte sie zum ersten Mal seit Langem Nähe. Wärme. Etwas, das sie fast vergessen hatte.
Wie weich Rinas Augenbrauen aussahen, wie ruhig sie atmete.
In ihrem Schlaf wirkte sie barmherzig, fast unschuldig.
Und auch wenn viele sie als „freche Kanakerin“ verspotteten – für sie war Rina alles.
Oh, wie sehr wünschte sie sich, von ihr umarmt zu werden.
Nur ein kurzer Kuss, eine Berührung – etwas Echtes.
Sie streckte die Hand aus, berührte Rinas Finger.
Rina öffnete die Augen.
„Was!?“
„Was guckst du mich so, Kurva!“
Die Worte trafen sie wie ein Schlag. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
Aus Angst, dass jemand in der Klasse ihre Tränen sehen könnte, wandte sie sich ab, um es zu verbergen, denn danach wurde alles noch schlimmer:
Nach einer weiteren Spätschicht kam sie nach Hause.
Die Wohnung lag im Chaos, überall nur Müll.
Auf dem Bett – Rina, schlafend. Neben ihr ein anderer Mann.
Der Schmerz schnürte ihr die Kehle zu.
Sie konnte nicht schreien, nicht weinen. Nur erstarren.
In diesem Moment brach etwas in ihr – endgültig.
Es wurde ihr klar:
Liebe ist keine Rettung.
Liebe ist eine Kette.
Sie bindet, zerstört, macht schwach.
Alles in ihr erstarrte.
Sie konnte nichts sagen, keine Träne mehr weinen.
Nur funktionieren. Also ging sie zurück zur Arbeit.
Als sie heimkam, waren Rina und der Laptop verschwunden – der Laptop, den sie immer noch abzahlte.
Einige Wochen später brannte die Wohnung aus.
Als hätte das Schicksal beschlossen, ihr alles zu nehmen, was ihr geblieben war.
Sie zog in eine andere Stadt, hoffte, dort von vorn anfangen zu können.
Alkohol und Tabletten halfen nicht. Die Vergangenheit blieb, saß in ihr wie ein Splitter.
Ihr Herz tat weh – jeden Tag.
Dann traf sie Martha.
Ein Mädchen, das sie an ihre erste Liebe erinnerte.
Martha bewunderte sie vom ersten Moment an.
„Vielleicht wird es diesmal anders?“ – ein Hauch von Hoffnung.
Doch bald begann auch Martha, ihr weh zu tun.
Alles wiederholte sich: Schmerz, Enttäuschung, Verrat.
Nächtelang weinte sie, ohne Erleichterung.
Bis sie eines Tages in den Spiegel sah und flüsterte:
„Ich werde der Liebe nicht erlauben, mich zu zerstören.
Ich werde nie wieder in ihre Richtung schauen.
Ich muss stark sein.
Niemand wird mich retten – außer ich selbst.“
In diesem Moment kehrte sie wieder in der Realität zurück, griff in ihren Rucksack, nahm eine Tablette, schluckte sie mit Wasser hinunter. Schloss kurz die Augen und atmete tief durch.
Diesmal beschloss sie endgültig: Nicht die Liebe, sondern ihre eigene Zukunft sollte der Sinn ihres Lebens sein.
Denn Liebe war nichts als Schmerz.
Schmerz, der alles zerstört – vor allem sie selbst.